Nachösterlicher Kalender

Sie wissen schon: Eigentlich hätten wir heute ja noch frei. Dritter Osterfeiertag. Aber weil unsere Vorfahren an zu vielen Feiertagen, zu viel gesoffen, zu viel „gevöllert und gehurt“ hatten, wurden die dritten Feiertage von gleich mehreren Fürsten und Königen unserer deutschen Lande abgeschafft. Nur Kenner kennen noch die Kantaten von J. S. Bach zu den dritten Weihnachtsfeiertagen und eben den dritten Osterfeiertagen. Das Fehlverhalten unserer Ahnen erinnert mich an Onkel Hans-Heinrich, unseren Sterngucker und Familien-Fachmann für Kalender-Fragen. Vornehmer: Astronom. Bei ihm lerne ich dasjenige Seriöse, was unsere Ahnen an den Feiertagen einfach wegtranken und damit diese selbst. Ich zitiere unseren Sterngucker: . In Erinnerung daran, dass Christus am ersten Tag der Woche auferstanden ist, beschoss die Christenheit, diesen ersten Tag zum Feiertag zu erheben. Etliche Länder ließen jedoch allmählich die Woche mit dem Montag beginnen - entweder aus praktischen Gründen oder weil die Tradition von SonnFest- und Feiertagen schlicht vergessen wurde. Eine „1“ in unseren Fahr- und Flugplanen bedeutete für uns Deutsche bis vor einiger Zeit: „Am Sonntag". In anderen Ländern hingegen „am Montag". Das führte im internationalen Verkehr häufig zu einem Durcheinander und darum beschlossen auch wir Deutschen per Gesetz, ab 1. Januar die Woche mit dem Montag beginnen zu lassen. Das war 1976. Wie fromm, mindestens sonntagstreu, wir bis dahin waren, lässt sich so erinnern- Unsere Wochenkalender begannen oben links mit dem Sonntag. Dem Auferstehungstag Christi, unserem Ausruhtag von Arbeit und Dienst, dafür früher regelmäßiger, heute manchmaliger oder vereinzelter (Gottes) Dienst. Seit 1976 steht der Sonntag nun unten rechts. Abgefertigt, abgehalftert, wie wir nach der Woche Müh und Plag irgendwo unten stehen. Nicht so die Kirche. Die benutzt zwar dieselben neuen Wochenkalender, Agenden, Kalender der Schreibwarengeschäfte wie wir, aber sie lässt die Woche nach wie vor mit dem Sonntag beginnen. Und das Kirchenjahr - unser Astronom ist Pastorensohn-beginnt auch konsequent weiter am 1. Advent, bekanntlich ein Sonntag. Und trotz der neuen Kalender der weltlichen Welt gilt: Ostern liegt nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Im Revolutionsjahr 1848 war Ostern fast noch im Winter: am 22. März. Erst im Jahre 2285 gibt es das wieder. Ich hätte schon sehr gern wieder dritte Feiertage. Besonders dritte Osterfeiertage. Den wir heute feiern könnten. Wenn nicht unsere...na, Sie wissen schon.

22. April 2003